Briefe vom Wichtel: der Ankunftsbrief
26. September 2026 · 6 Min. Lesezeit
Von allen Briefen, die ein Wichtel im Advent schreibt, ist der erste der wichtigste. Er wird am genauesten gehört, oft mehrfach gelesen und häufig aufgehoben.
Ein Ankunftsbrief muss vier Dinge leisten: sich vorstellen, die Reise erklären, die Regeln nennen und bis morgen vertrösten. In dieser Reihenfolge, in sechs bis acht Sätzen.
Warum gerade dieser Brief so viel trägt
Am ersten Morgen hat euer Kind eine Figur vor einer kleinen Tür. Mehr nicht. Ob daraus vier Wochen Vorfreude werden oder eine Deko, die nach drei Tagen niemand mehr beachtet, entscheidet sich an der Geschichte — und die liefert der Brief.
Er leistet außerdem etwas, das euch den ganzen Advent hilft: Er stellt die Regeln auf, ohne dass ihr es tun müsst. „Bitte lass meine Tür immer zu” wirkt aus dem Mund eines Wichtels völlig anders als aus dem der Mutter. Es ist keine Anweisung, sondern eine Eigenschaft seiner Welt.
Was hineingehört
1. Eine Anrede mit Namen. „Für Mia” statt „Hallo Kinder”. Der Unterschied zwischen einem Text und echter Post.
2. Die Reise. Woher er kommt, wie weit es war, dass er müde ist. Das macht ihn zu jemandem statt zu etwas.
3. Wie lange er bleibt. „Bis Weihnachten.” Kinder wollen das wissen, und es erspart euch später die Frage, wann er geht.
4. Die Regeln — beiläufig. Zwei Sätze reichen für drei Regeln. Keine Aufzählung.
5. Ein Ausblick. „Bis morgen früh!” Damit ist klar, dass es weitergeht.
6. Die Unterschrift. Immer. Das ist die Zeile, die Kinder am längsten anschauen.
Ein vollständiges Beispiel
So sieht der Ankunftsbrief in unserer Fips-Ausgabe aus:
Für [NAME]
Hallo, du! Puuh — was für eine Reise! Den ganzen weiten Weg aus dem hohen Norden bin ich gereist, durch Schnee und Sternenlicht, bis zu meiner kleinen Tür bei dir. Jetzt bin ich da und bleibe bis Weihnachten. Ich bin dein Weihnachtswichtel. Nur eins fehlt mir noch: ein Name. Überleg dir einen guten für mich — ich freue mich schon riesig! Bitte lass meine Tür immer zu und fass mich nie an, sonst schmilzt mein Zauber. Jede Nacht flitze ich zum Weihnachtsmann und erzähle ihm, wie fein du bist. Bis morgen früh — halt die Augen offen!
Dein neuer Wichtel
Acht Sätze. Darin stecken drei der fünf Wichtel-Regeln, ohne dass eine wie eine Regel klingt.
Der Kniff mit dem Namen
Die Stelle „Nur eins fehlt mir noch: ein Name” ist kein Zufall.
Ein Kind, das seinen Wichtel selbst tauft, gehört von der ersten Minute an zur Geschichte. Das ist ein größerer Unterschied, als es klingt — aus einem Wichtel wird sein Wichtel.
In unseren Büchern gibt es dafür einen Steckbrief zum Ausfüllen: wie er heißt, wie er aussieht, woher er kam, was sein Lieblingskeks ist. Meistens wird er am ersten oder zweiten Tag ausgefüllt und dann den ganzen Advent ergänzt.
Dass die Figuren in den Büchern trotzdem Fips und Nele heißen, ist kein Widerspruch: Unter jedem der 24 Briefe steht ihr Name. Wer lieber den eigenen nimmt, überschreibt ihn — beides ist vorgesehen.
Was am ersten Morgen sonst noch passieren sollte
Wenig. Der erste Tag darf klein sein, er muss nur echt wirken:
- Der Brief neben der Tür
- Eine kleine Spur — ein paar Fußabdrücke aus Puderzucker, die von der Tür wegführen
- Etwas, das bleibt — ein Steinchen, eine Feder. Kinder sammeln so etwas
Mehr nicht. Der häufigste Fehler beim Einzug ist, zu groß anzufangen: Wer am 1. Dezember eine Seilbahn durchs Wohnzimmer baut, hat die Erwartung für dreiundzwanzig weitere Abende gesetzt.
Womit ein Wichtel schreibt
Kleines Papier, gern angeraut oder mit Tee eingefärbt, ein dünner Stift. Ein DIN-A4-Blatt in Kugelschreiber sieht nach Büro aus.
Und: Kinder kennen eure Handschrift besser, als ihr denkt. Schreibt mit der anderen Hand, in Druckbuchstaben, sehr klein — oder trennt die Briefe aus einem Buch heraus.
Die übrigen dreiundzwanzig
Der Ankunftsbrief ist geschafft, und dann kommt der 2. Dezember.
Unsere Bücher 3 Minuten Wichteltür-Ideen enthalten alle 24 Briefe im Wortlaut, jeden zu einer konkreten Idee des Tages, jeden mit Feld für den Namen — zum Vorlesen oder Heraustrennen. Dazu über 40 Ideen, eine Aufwand-Ampel 🟢🟡🔴 über jedem Tag, ein „ohne Material”-Zeichen und Notfallbriefe für die Abende, an denen nichts mehr geht.
Zwei Ausgaben mit unterschiedlichem Ton: Fips schreibt in Aufträgen und Abenteuern, Nele leiser, mit Sternen und Dankbarkeit. Je 141 Seiten, 14,99 €, für Kinder von etwa 3 bis 8.